Gießen

So viel wie dies Jahr habe ich in den Jahren zuvor nicht gießen müssen, die frisch gepflanzten Büsche und Bäumchen vor allem, um die es mir Leid gewesen wäre, und weil der Gartenschlauch nicht hinter die Scheune reicht, habe ich Wasser getragen, in zwei Gießkannen, die ich am Hahn aus einer alten Zinkwanne fülle.

Ich habe Rückenschmerzen und mehr Muskeln in den Armen als vorher. Aber wenn ich mir vorstelle, ich hätte so etwas wie eine Beregnungsanlage oder sonst eine Automatik, die für Wasser sorgt, weiß ich, daß ich gerne gieße. Nicht, weil man diszipliniert überlegt, wieviel Wasser jede Pflanze nötig hat. Sondern weil man doch mit jeder ein knappes Zwiegespräch führt. Da ein neues Blatt und dort ein welkes, und hier ein Insekt.

 

Katze

Gewitzt kommt die Katze, nachdem sie mit leisem Knacken der Knöchelchen einen Vogel gefressen hat, auf den Tisch gesprungen, streicht um die Tastatur, läßt sich auf meinem Schoß nieder, ich stehe dann ungern auf, aus Rücksicht, die sie stets fehlen läßt, denn ihre Forderungen vertritt sie so selbstverständlich, daß sogar ich ihr gehorche. Für sie als einzige spiele ich Katzen-Taxi, und wenn sie vom einen Ende des Grundstücks miaut, weil die Hunde sie belästigen könnten, pflücke ich sie vom Baum und trage sie bis vor ihren Futternapf.

Bei dir piept’s wohl, würde ich den Kindern, den Hunden und meinem Mann sagen, und dem Pferd nicht einmal das.