Was ich gelernt habe in meiner Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag

Anfang Juni habe ich in einem Brief an die Leitung des Suhrkamp Verlages darum gebeten, mich mit meinem neuen Roman gehen zu lassen. Ulla Unseld schrieb mir, daß sie, da das Buch in der Vorschau schon angekündigt sei und vielerlei Arbeit hinein investiert, auf dem Roman »bestehe«.
Um eine sich womöglich Monate hinziehende juristische Auseinandersetzung zu vermeiden (der Roman war angekündigt, einen Vertrag gab es aber nicht), hat in meinem Namen ein Rechtsanwalt dem Verlag die Hardcover-Rechte an dem Manuskript, wie es zu jenem Zeitpunkt vorlag, angeboten.
Ulla Unseld hat diese Rechte gekauft.
Die fünfzehnjährige Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag ist für mich mit diesem Buch beendet.

Ich folge einem Gutachten des Lektors, daß er eine vollständig überarbeitete Fassung von elf Kapiteln erhalten habe.
Ein Lektorat hat nicht stattgefunden.
Die Arbeit mit einem Graphiker, zahlreiche Gespräche über das Layout, wurden mißachtet. Aus Gründen, die man mir nicht mitgeteilt hat, wurde der Text so gesetzt, daß er statt der zweihundert Manuskript-Seiten einen Umfang von einhundertundfünfunddreißig Seiten hat.

In der Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag habe ich nun gelernt, wie kleine Unfreundlichkeiten, Geringschätzung, Unachtsamkeit sich ausbreiten, von einer Handlung zur nächsten, von einer Entscheidung zur nächsten, von einem Menschen zum nächsten.
Seit 1995 habe ich, zunächst als Übersetzerin, mit dem Verlag zusammen gearbeitet.

Im Rosenkavalier gibt es eine Stelle, die ich insbesondere liebe: »Leicht muß man sein. Mit leichter Hand und leichtem Herzen, halten und nehmen, halten und lassen… Die nicht so sind, die straft das Leben, und Gott erbarmt sich ihrer nicht.«
Mit leichtem Herzen soll man gehen, um schleunigst wieder mit Achtsamkeit, Offenheit und Formbewußtsein über Literatur zu reden.

An dem Roman habe ich fast vier Jahre gearbeitet, ich halte ihn im Kern für mein bislang wichtigstes Buch, weil ich eine Form gefunden habe, die mir für das, was mich beschäftigt, einleuchtet.
Es wird ein Romanprojekt in mehreren Teilen sein; eine Novelle, die nächsten Frühsommer im S. Fischer Verlag erscheint, ist eigenständig, gehört aber dazu. Sobald die Novelle beendet ist, werde ich am zweiten Teil schreiben.
Ein erstes Kapitel der Fortsetzung des Romanprojekts wird im November auf dieser website (katharinahacker.de) zu finden sein.